Alle Schülerinnen und Schüler zum Sprechen bringen: Chorsprechen, Bedenkzeit und stille Lernende

Chorsprechen, Bedenkzeit, Aufrufen ohne Druck und Wege, stille Lernende einzubeziehen, mit Beispielen auf Englisch und Französisch.

Das Wichtigste

Um alle zum Sprechen zu bringen, beginnt man mit Chorsprechen, sodass alle die Antwort gleichzeitig sagen, gibt vor jeder Einzelantwort Bedenkzeit und ruft dann auch ohne Meldung auf, nachdem die Klasse geübt hat, damit niemand überrumpelt wird. Rollen wechseln, es wird durch Vorsprechen korrigiert, ohne jemanden vorzuführen, und Noten bleiben aus dem Ritual heraus.

Warum Lernende schweigen

In fast jedem Fremdsprachenunterricht antworten immer dieselben wenigen. Die anderen sind nicht unbedingt abgehängt: Viele möchten einfach nicht riskieren, vor der Klasse etwas Falsches oder mit seltsamem Akzent zu sagen. Für Jugendliche kann dieses Risiko schwer wiegen.

Ein Ritual, das alle zum Sprechen bringt, senkt das Risiko auf drei Weisen: Alle sprechen gleichzeitig, bevor jemand allein spricht, alle haben Zeit zur Vorbereitung, und ein Fehler kostet nichts.

Chorsprechen richtig einsetzen

Beim Chorsprechen sagt die ganze Klasse die Antwort gemeinsam. Es ist der schnellste Weg, dass 25 Lernende in 30 Sekunden sprechen.

  • Ein klares Signal. Immer dasselbe Wort oder dieselbe Geste: Everybody! oder Tous ensemble !, eine erhobene Hand, ein Zählen: one, two, three oder un, deux, trois.
  • Kurz halten. Eine Wendung oder ein Satz, kein Absatz.
  • Lange Sätze von hinten aufbauen. Man beginnt mit dem Ende und ergänzt von vorn, sodass der Schluss immer am meisten geübt ist: …October, …the sixth of October, Today is the sixth of October. Oder …octobre, …le six octobre, Nous sommes le six octobre.
  • Mit der Stimme spielen. Flüstern, rufen, traurig sagen, als Frage sagen. Derselbe Satz fünfmal, ohne Langeweile.
  • Den Raum teilen. Erst diese Hälfte, dann jene; erst die hintere Reihe, dann die vordere. So hört man, wer wirklich spricht.
  • Auf die Schwachstelle hören. Misslingt ein Laut im ganzen Raum, wird er herausgelöst, geübt und wieder in den Satz eingesetzt.

Chorsprechen hat eine Grenze: Man kann die Lippen bewegen, ohne etwas zu wissen. Darauf sollten immer Partnerarbeit oder Einzelantworten folgen.

Bedenkzeit und Probe zu zweit

Eine Frage, der sofort ein Name folgt, gibt den Schnellen die Antwort und den anderen nichts zu tun. Eine Pause muss eingeplant werden.

  1. Die Frage an alle stellen: What’s the weather like today? Quel temps fait-il aujourd’hui ?
  2. Einige Sekunden Pause. Noch antwortet niemand.
  3. Die Lernenden flüstern ihrer Partnerin oder ihrem Partner die Antwort zu oder schreiben sie auf ein Mini-Whiteboard.
  4. Erst dann wird jemand namentlich aufgerufen, oder es folgt eine Antwort im Chor.

Mini-Whiteboards sind besonders nützlich: Alle legen sich auf eine Antwort fest, und die Lehrkraft sieht alle Antworten auf einen Blick.

Aufrufen ohne Melden

Die Lehrkraft entscheidet, wer antwortet, ob mit oder ohne Meldung. Gilt die Regel „Niemand muss sich melden“, müssen alle bereit sein, denn jede und jeder kann drankommen.

  • Erst die Frage, dann der Name. Quelle heure est-il ?, Pause, dann „Lena“. Wird zuerst der Name genannt, hören alle anderen auf zu denken.
  • Nach der Probe, nicht davor. Aufgerufen wird, wenn die Klasse im Chor oder zu zweit schon geantwortet hat: Die Antwort ist bereits einmal gesagt worden.
  • Angekündigtes Aufrufen für ängstliche Lernende. Man sagt leise, dass die nächste Frage an sie geht, damit sie sich vorbereiten können.
  • „Sag es noch einmal.“ Weiß jemand die Antwort nicht, nennt sie eine andere Person oder die ganze Klasse, und die erste Person wiederholt sie. Niemand steigt aus, und niemand bleibt stecken.
  • Zufällig oder gezielt. Per Los gezogene Namen wirken gerecht; gezieltes Aufrufen erlaubt, die Frage auf die einzelnen Lernenden abzustimmen. Meist wechseln sich beide ab.

Stille und ängstliche Lernende

Allein in einer Fremdsprache zu sprechen ist für manche eine echte Hürde. Ziel ist, die Stufe niedriger zu machen, nicht sie abzuschaffen.

  • Immer zuerst der Chor. Wer den Satz eben mit 25 anderen gesagt hat, hat das Schwierigste schon geschafft.
  • Fragen mit Auswahl. Is it sunny or rainy? Il fait beau ou il pleut ? Die Antwort steckt in der Frage.
  • Satzmuster an der Tafel, damit die Antwort zunächst abgelesen werden kann.
  • Erst die Partnerin, dann die Klasse. Was dem Nachbarn gesagt wurde, fällt vor allen leichter.
  • Anfangs nonverbale Antworten: Daumen hoch oder runter, Whiteboard, auf das richtige Bild zeigen.
  • Vorher ankündigen und zuerst eine leichte Frage stellen.

Bei besonderem Förderbedarf oder starker Sprechangst empfiehlt sich die Absprache mit den Kolleginnen und Kollegen und gegebenenfalls mit den Eltern; zum Sprechen wird nie gedrängt.

Korrigieren, ohne zu entmutigen

Wie korrigiert wird, entscheidet darüber, ob die Lernenden es morgen wieder versuchen.

  • Umformulieren statt zurückweisen. Sagt jemand „Je suis douze“, antwortet man: Ah, tu as douze ans !, und das Gespräch geht weiter. Sagt jemand „I’m twelve years“: Oh, you’re twelve years old!
  • Die Klasse korrigieren, nicht einzelne Lernende. Ist ein Fehler häufig, wird die richtige Form im Chor geübt: Niemand wird vorgeführt.
  • Keine Noten im Ritual. Sprechen ist Übung, keine Prüfung. Für die Bewertung gibt es andere Zeitpunkte.
  • Das Richtige loben. Man benennt, was gut war: ein vollständiger Satz, eine richtige Endung, eine gute Aussprache, ein mutiger Versuch.

Im Unterricht: eine Sprechfolge für jede Frage

Diese Folge funktioniert mit jedem Inhalt, vom Datum bis zum Wetter:

What’s the weather like in London? — It’s raining.Wie ist das Wetter in London? Es regnet.

Quel temps fait-il à Paris ? — Il pleut.Wie ist das Wetter in Paris? Es regnet.

  1. Die Frage an die ganze Klasse stellen, in der Zielsprache.
  2. Bedenkzeit: einige Sekunden, still.
  3. Die Lernenden üben zu zweit.
  4. Antwort im Chor auf das Signal.
  5. Zwei oder drei Lernende aufrufen.
  6. Die Musterantwort aufdecken; die Klasse wiederholt sie.
  7. Weiterführen: And yesterday? Et hier ? Why? Pourquoi ?

Rollen im Wechsel

Rollen geben jedem einen Grund zu sprechen und einen Grund zuzuhören.

  • Wer das Ritual leitet, stellt vorn die Fragen.
  • Wer die Lösung aufdeckt, liest sie laut vor.
  • Wer wiederholt, sagt die Antwort einer leise sprechenden Person laut für die Klasse.
  • Wer auf das Wort des Tages achtet, meldet sich, wenn es im Verlauf der Stunde fällt.

Die Rollen wechseln jede Stunde oder jede Woche, sodass alle einmal dran sind.

Anpassung an die eigene Klasse

  • A1Ein Wort oder eine kurze Wendung, erst im Chor, dann einzeln: It’s cold. Il fait froid.
  • A2Ganze Sätze, Partnerarbeit vor dem Aufrufen
  • B1Antworten mit Begründung oder einer zweiten Zeitform: It’s cold, but yesterday it was sunny. Il fait froid, mais hier il faisait beau.
  • B2Die Lernenden stellen die Nachfragen selbst; kurze spontane Gespräche

In der Grundschule tragen Chor, Lieder und Spiele das meiste Sprechen. In der Sekundarstufe I wird das Aufrufen nach der Probe zur Regel. In der Sekundarstufe II bereiten dieselben Gewohnheiten auf freies Sprechen vor, bei dem Zögern vor anderen zur Aufgabe gehört.

Das Ritual zum Stundenbeginn, jeden Morgen bereit

Das Datum, die Uhrzeit, die Zahlen, das Wort des Tages: auf dem Niveau Ihrer Klasse projiziert, ohne Vorbereitung. Ohne Vorbereitung: Testen Sie alles kostenlos – 15 Nutzungstage lang.

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Häufige Fragen

Was ist Chorsprechen im Fremdsprachenunterricht?

Die ganze Klasse sagt eine Antwort oder einen Satz gemeinsam, auf ein Signal. So sprechen alle gleichzeitig, und es gibt Sicherheit für die Einzelantworten.

Ist Aufrufen ohne Melden für stille Lernende fair?

Es kann fair sein, wenn es nach der Probe kommt. Zuerst im Chor oder zu zweit antworten lassen, ängstliche Lernende vorher ankündigen und mit leichten Fragen oder Fragen mit Auswahl beginnen.

Was ist der Unterschied zwischen Aufrufen und „Niemand muss sich melden“?

„Niemand muss sich melden“ ist die Regel: Es gibt keine Freiwilligen. Das Aufrufen ist die Technik: Die Lehrkraft bestimmt, wer antwortet. Meist werden beide zusammen eingesetzt.

Wie bringt man eine stille Klasse im Fremdsprachenunterricht zum Sprechen?

Mit Antworten im Chor beginnen, Bedenkzeit und Partnerprobe ergänzen, dann aufrufen. Fehler dürfen nichts kosten, und man korrigiert, indem man die richtige Form vorspricht.

Soll das Sprechen im Ritual bewertet werden?

Nein. Das Ritual ist Übung. Die Lernenden sprechen freier, wenn sie wissen, dass nichts benotet wird.

Funktioniert Chorsprechen bei Jugendlichen?

Ja, wenn es kurz und abwechslungsreich ist: Flüstern, Stimme verändern, den Raum teilen. Zügig halten und Einzelantworten folgen lassen.